WooCommerce Online Shop installieren und einrichten
WooCommerce ist das Shop-System für WordPress. Von anderen bekannten Shop-Lösungen wie z.B. Shopify unterscheidet es sich unter anderem dadurch, dass keine monatlichen Lizenz-Gebühren zu bezahlen sind. Mit dem bekannten Online Shop-Plugin WooCommerce lassen sich professionelle eCommerce-Angebote für Produkte und Dienstleistungen relativ einfach gestalten. Die erste Einrichtung kann allerdings in manchen Punkten etwas aufwendiger sein.
Die Installation und Basiseinrichtung von WooCommerce ist einigermaßen überschaubar, wobei je nach Anforderungen und der Art der verkauften Produkte durchaus einiger Adaptierungs- und Erweiterungsbedarf hinzukommen kann, und damit auch oft kein Weg an zusätzlichen, teils kostenpflichtigen Plugins vorbei führt. Im Vergleich zu vielen anderen (Baukasten-)Systemen ist WooCommerce aber flexibel und nicht immer entstehen gleich zusätzliche Kosten für Erweiterungen.
Grundsätzlich empfehle ich meinen Kund:innen, sich für ein Online Shop-Projekt Unterstützung durch eine WordPress Agentur zu holen, da es bei der Integration von Drittlösungen bei der Zahlungsabwicklung (z.B. Stripe), bei der Einrichtung der automatisierten Shop-Emails und bei der Versandplanung bzw. auch in der Darstellung der Produktkataloge durchaus komplexer werden kann. Zunächst aber einmal zu den ersten, einfachen Einrichtungs-Schritten.
Installation
Zunächst ein heißer Tipp: Falls du noch keine WordPress-Website hast, kannst du dir über dieses Tool innerhalb von Minuten und ohne Registrierung eine temporäre Website einrichten, die in der kostenlosen Version in 48h wieder gelöscht wird: TasteWP. Damit lassen sich nach der Installation die Funktionen von WooCommerce hervorragend kurzfristig testen. Ich benutze das Tool gerne für Demos oder zum Testen von Plugins.
Beginnen wir mit der simplen Basis-Einrichtung: WooCommerce im Plugin-Verzeichnis suchen, installieren und aktivieren.
Da für einen rechtskonformen Betrieb von WooCommerce im deutschsprachigen Raum (Stichworte: Preisauszeichnung, Transparenz, Widerrufsbelehrung, Datenschutz) auf jeden Fall ein weiteres Plugin benötigt wird, am besten die bewährte Lösung Germanized für WooCommerce mit installieren. Damit kann die Einrichtung zeitsparend gleich vollständig durchgeführt werden.
Einrichtung und Einstellungen
Bei der Ersteinrichtung von WooCommerce gibt es zwei Möglichkeiten: entweder den Einrichtungsassistenten verwenden, der sich auf der Startseite von WooCommerce befindet, oder die manuelle Einrichtung über den Menüpunkt WooCommerce – Einstellungen wählen.
Da der schnelle Einrichtungsassistent nicht alle notwendigen Einstellungen berücksichtigt und zwischendurch auch schon gleich zum Anlegen erster Produkte führt, empfehle ich die ersten Einstellungen unbedingt über WooCommerce – Einstellungen vorzunehmen. Nur so wird übersichtlich klar, ob alle wichtigen Punkte berücksichtigt sind und das Risiko mit einem halbfertigen Shop zu starten, lässt sich wesentlich verringern.
Die Einrichtung der Produkte erfolgt am besten als eigener Schritt nach Fertigstellung der Einstellungen, am besten auch ohne Hin- und Herspringen zwischen Grundeinstellungen und Produkten. Da WooCommerce in der Struktur zwischen Einstellungen und dem Produktkatalog logisch trennt, ist es dadurch auch weniger verwirrend, zunächst die Grundeinstellungen vorzunehmen (es gibt auch Grundeinstellungen für den Produktkatalog), und dann erst die Produkte an sich anzulegen. Auf die wichtigen Punkte beim Anlegen des Produktkatalogs werde ich in einem meiner nächsten Blog-Beiträge näher eingehen. Bei der Umsetzung des Shops durch eine WordPress Agentur sind je nach Shop-Paket meist einige Beispiel-Produkte inkludiert, sodass es für das Anlegen der Produkte schon Vorlagen gibt.
Allgemein
Wir starten also unter WooCommerce – Einstellungen mit dem Punkt Allgemein. Dieser enthält unter anderem die Geschäftsadresse, die ausgewählten Märkte (z.B. AT, DE) und die Währung, in der die Verkaufspreise angezeigt werden sollen (EUR).
Produkte
Unter dem Punkt Produkte gibt es mehrere Reiter zu bearbeiten. Die wichtigsten sind die Unterpunkte Allgemein und Lagerbestand. Die Grundeinstellungen der Abmessungen sind wichtig für die automatisierte Erstellung von Versandparametern wie Verpackungsmaßen und sollten bei Bedarf angepasst werden. Bewertungen sind ein wichtiger Faktor für die Vertrauenswürdigkeit eines Shops.
Lagerbestand
Der Punkt Lagerbestand regelt die Bestandsverwaltung der Produkte inkl. der Möglichkeit, bei geringen Lagerbeständen eine Nachricht zu erhalten.
Umsatzsteuer
Die Anzeige der Umsatzsteuer ist einer der wichtigsten Punkte bei der Shop-Einrichtung. Endverkaufspreise für Verbraucher müssen grundsätzlich die Umsatzsteuer berücksichtigen und die korrekten Umsatzsteuersätze (die je nach Land variieren) sollten hinterlegt sein.
Versand
Es empfiehlt sich, besonders die Optionen für den Versand gut zu durchdenken und einzurichten. Inzwischen erwarten viele Konsument:innen auch bei niedrigpreisigen Artikeln kostenlosen und raschen Versand. Hohe Versandkosten und lange Lieferzeiten zählen zu den abschreckendsten Faktoren, die potentielle Kund:innen davon abhalten, online einzukaufen. Die Anzeige der (hohen) Versandkosten an der Kassa ist neben eingeschränkten Zahlungsoptionen der Hauptgrund für Warenkorbabbrüche.
Für Online-Shop Betreiber kann das je nach Sitz des Online-Shops so oder so recht teuer werden. Einerseits sind die Versandgebühren z.B. in Österreich eher hoch und der Versand häufig ohne Zusatzkosten nicht besonders schnell, andererseits will man guten Service bieten, keinen Umsatzentgang erleiden und potentielle Kund:innen nicht verschrecken. Vielleicht ist es eine Überlegung wert, (einen Teil der) Versandkosten bereits in der Kalkulation der Verkaufspreise zu berücksichtigen, um damit die extra angezeigten Versandkosten nicht zu hoch erscheinen zu lassen. Bei hochpreisigen Produkten ist der kostenlose Versand quasi ein „Muss“.
Bei den Versandoptionen ist es möglich, die Versandkosten je nach Bestelladresse („Versandzone“) variabel zu gestalten, also z.B. für AT niedrigere Versandkosten als für DE zu hinterlegen, oder kostenlosen Versand ab einem bestimmten Warenwert anzubieten. Nicht vergessen: Gibt es kostenlosen Versand, unbedingt im Shop an prominenter Stelle darauf hinweisen!
Unter dem Reiter Versandeinstellungen wird der Zeitpunkt der Anzeige der Versandkosten bestimmt. Die (variablen) Versandkosten können z.B. erst angezeigt werden, wenn die Kund:innenadresse bekannt ist. Das verhindert Verwirrung bei den Kund:innen durch die Anzeige nicht zutreffender Versandkosten und den unguten Eindruck, dass der Einkauf kurz vor dem Abschluss noch einmal teurer wird.
Zahlungen
Die Auswahl der Zahlungsmethoden trägt wesentlich zum Erfolg des Online-Shops bei. Im deutschsprachigen Raum sind zumindest die Zahlungsoptionen Banküberweisung, Kreditkarten (Visa, MasterCard, etc) und PayPal üblich. Fehlt die von Kund:innen jeweils gewünschte, übliche Zahlungsart, wird die Transaktion meist abgebrochen und nicht getätigt, ein potentieller Verkaufsabschluss geht meist unwiederbringlich verloren.
Während in WooCommerce einige dieser Zahlungsarten wie die Banküberweisung bereits integriert sind, müssen andere wie PayPal und Kreditkarten über weitere Plugins hinzugefügt werden. Daher installieren wir zunächst PayPal Payments sowie Stripe (oder Mollie), eines der gängigsten Zahlungsportale für Kreditkartenzahlungen. Die Zahlungsportale an sich sind kostenfrei, allerdings werden bei Verkäufen Transaktionsgebühren verrechnet. Stripe bot in der Vergangenheit etwas bessere Konditionen als Mollie.
Danach müssen die Zahlungsarten in WooCommerce noch aktiviert und konfiguriert werden. Für Stripe ist dazu auch die Einrichtung eines Accounts auf https://stripe.com erforderlich. Während der Account an sich recht schnell eingerichtet ist, ist die Einrichtung der Webhooks und das Testen der Verbindung zu WooCommerce nicht ganz selbsterklärend und wird daher am besten mit Unterstützung einer WordPress-Agentur durchgeführt.
Konten und Datenschutz
Unter dem Punkt Konten und Datenschutz befinden sich zwei wichtige Bestandteile des Shops, der Umgang mit etwaigen Kundenkonten und der konfigurierbare Datenschutzhinweis.
In den meisten Shops, die sich an Konsument:innen richten, ist die Einrichtung von Konten nicht mehr üblich, daher ist diese Option standardmäßig deaktiviert. Dadurch werden auch tendenziell weniger Kund:innendaten gespeichert, was aus einer Sicherheitsperspektive und aus Sicht des Datenschutzes ratsam ist.
Der während des Bestellvorgangs angezeigte Datenschutzhinweis ist individuell anpassbar und verweist mit einem Link auf die Seite der Datenschutzerklärung, die extra zu erstellen ist.
E-Mails
Der Punkt E-Mails sollte nicht vernachlässigt, sorgfältig bearbeitet und gründlich getestet werden. Hier werden die im Bestellvorgang automatisiert versendeten Transaktions-E-Mails eingerichtet und der eigenen Marke entsprechend gestaltet, aber auch weitere E-Mails, die z.B. bei Reklamationen, Widerrufen, Stornierungen etc. gesendet werden.
Da dieser Punkt sehr umfangreich ist, gehe ich an dieser Stelle nicht näher darauf ein. Eine ausführliche Einführung in das Thema findet sich in meinem Blog-Beitrag WooCommerce Emails konfigurieren und personalisieren.
Jedenfalls ist es sehr wichtig, die Transaktions-E-Mails zu personalisieren, da der Shop ansonsten nicht professionell und möglicherweise (z.B. bei fehlender Widerrufsbelehrung) auch nicht rechtskonform betrieben werden kann.
Germanized
Mit Germanized lässt sich WooCommerce den rechtlichen und steuerlichen eCommerce Bestimmungen im deutschsprachigen Raum anpassen. Ich gehe hier die wichtigsten Optionen der kostenlosen Version von Germanized durch, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne rechtliche/ steuerliche Verbindlichkeit. Im Zweifel immer fachliche Beratung einholen!
Allgemein
Die Einrichtung von Germanized beginnt unter dem Punkt Allgemein mit der Festlegung der rechtlich relevanten Seiten AGB, Widerrufsbelehrung, Impressum, Datenschutz und weiteren Service-Seiten wie Zahlungsarten und Versandarten. Diese Liste ist auch ein gute Checkliste, welche Shop-Service-Seiten noch zu erstellen sind.
An dieser Stelle ein Tipp für jene, denen noch aktuelle AGB, Widerrufsbelehrung oder ein rechtskonformes Impressum für ihren Shop fehlen: IT-Recht-Kanzlei bietet die Erstellung dieser für jeden Online-Shop nötigen Seiten, regelmäßige Updates sowie eine WordPress-Schnittstelle ziemlich kostengünstig an. Nicht in allen Fällen wird dies allerdings ohne eine individuelle steuerliche und rechtliche Beratung ausreichend sein.
Unter dem Reiter Streitbeilegung gibt es in Germanized außerdem die Möglichkeit, die Teilnahme am europäischen Online-Streitbeilegungsverfahren auszuschließen.
Preisauszeichnung
Die Bestimmungen zur Preisauszeichnung sollen Konsument:innen vor fehlenden oder irreführenden Preisangaben schützen. Daher ist z.B. anzugeben, ob die angegebenen Preise Umsatzsteuer enthalten oder nicht, ob und welche Versandkosten verrechnet werden etc.
Germanized hat hier umfangreiche Möglichkeiten geschaffen, Preise, Preishinweise, Lieferkosten und Lieferzeiten auf allen relevanten Seiten des Shops anzuzeigen. Außerdem kann ein seitenübergreifender MwSt.-Hinweis im Footer eingefügt werden, sodass die geforderte steuerliche Transparenz auf allen Seiten noch leichter umsetzbar wird.
Steuern
Und damit sind wir schon wieder beim Thema Steuern. Neben zusätzlichen Optionen bezüglich der Darstellung der Steuersummen bietet Germanized in der PRO-Version ein zusätzliches Feld für die UID an.
Shops, die (auch) im B2B-Verkäufe tätigen, können damit das Reverse-Charge-Verfahren bei Unternehmer:innen aus dem Ausland mit gültiger UID anwenden. Nach Eingabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer von B2B-Käufer:innen entfernt Germanized automatisch die Umsatzsteuer. Reine B2C-Shops benötigen dieses Feature nicht. Für B2B-Shops ist Germanized PRO hingegen ein Muss.
Button-Lösung
Die Button-Lösung ist eine weitere Regelung, die Transparenz beim Kaufvorgang gewährleisten soll. Wie der Name schon sagt, geht es hauptsächlich darum, dass der Button, mit dem der Kauf tatsächlich kostenpflichtig getätigt wird, eine aussagekräftige Bezeichnung hat, z.B. Jetzt kaufen. Außerdem muss die Preisgestaltung übersichtlich direkt beim Kaufvorgang ersichtlich sein, ohne ablenkende visuelle Elemente.
Hier bietet Germanized mit der Aktivierung der Button-Lösung eine Gestaltung der Kassen-Seite, die diese Vorgaben umsetzt, während WooCommerce in der ursprünglichen Version diesbezüglich wesentlich unübersichtlicher ist.
Sendungen
Der Punkt Sendungen ermöglicht in Erweiterung der von WooCommerce vorgesehenen Features die Benachrichtigung der Kund:innen im Bestellbearbeitungs- und Versandprozess. So kann z.B. eine automatisierte Bestätigungs-E-Mail gesendet werden, sobald eine Sendung als verschickt markiert wurde. Außerdem können verschiedene praktische Einstellungen für die Auftragsverarbeitung hinzugefügt werden.
E-Mails
Im aktuell geltenden Verbraucherrecht ist vorgesehen, dass Online-Shop-Betreiber:innen ihren Kund:innen Informationen über das Rücktrittsrecht, auch Widerrufsbelehrung genannt, nach der Bestellung aktiv zur Verfügung stellen müssen. Dies ermöglicht Germanized hier automatisiert mit dem Hinzufügen der Widerrufsbelehrung sowie weiterer relevanter Texte zu den Bestellbestätigungs-Emails.
Checkboxen
Germanized fügt rechtlich relevante Checkboxen an den richtigen Stellen ein. Hier können auch für spezielle Produkte und Dienstleistungen nochmals genauere Einstellungen getroffen werden.
Damit deckt Germanized in der kostenlosen Version die für einen einfachen B2C-Shop geltenden Regelungen derzeit bereits vollständig ab. Weitere Optionen sind mit Germanized PRO verfügbar.
Fazit
Mit WooCommerce inkl. der Erweiterung Germanized lassen sich B2C Online-Shops professionell und kostengünstig umsetzen. Wichtig ist, die Einstellungsmöglichkeiten von WooCommerce sorgfältig durchzugehen und auch die für den deutschsprachigen Raum geltenden speziellen rechtlichen Regelungen zu beachten, damit der Shop rechtskonform eingerichtet werden kann.
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Über die Autorin*

Elke ist WordPress-Entwicklerin mit Leib und Seele. Nach beruflichen Stationen im Consulting, Kultur- und Projekt-Management beschäftigt sie sich momentan am liebsten mit HTML, CSS, PHP, SEO, Crêpes und Kaffee. >> Alle Blog-Artikel
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