Hosted in Europe: Naheliegende Lösungen für Analytics, Email-Newsletter und Video-Konferenzen

Hosted in Europe: 5 naheliegende Lösungen für Analytics, Email-Newsletter und Video-Konferenzen

Viele Services und Plattformen von Google, Meta und anderen US-Großkonzernen sind kaum verwendbar, ohne eine Datenübertragung auf amerikanische Server in Kauf zu nehmen. Auch die aktive Einwilligung durch Website-Besucher:innen über ein Cookie Banner bedeutet nicht in jedem Fall, dass der Datentransfer legal ist oder in Zukunft legal bleibt, und damit fehlt die verläßliche Rechtssicherheit. Will man kein Risiko eingehen und/oder europäische Anbieter unterstützen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die aber häufig noch zu wenig bekannt sind. Deshalb stelle ich hier Alternativlösungen aus drei häufig nachgefragten Bereichen vor: Analytics, also Website-Statistiken, Email-Newsletter und Video-Konferenzen.

Das Standard-Produkt für Web-Statistiken, Google Analytics, wird immer häufiger durch Alternativlösungen ersetzt. Google betreibt zwar auch Server in Irland. Allerdings sammeln Google-Tools oft mehr Daten, als es für reine Analyse-Zwecke tatsächlich notwendig wäre, was aus Datenschutzsicht zusätzlich zur Datenübertragung (wohin auch immer) problematisch erscheint. Daher werden Alternativen laufend attraktiver, selbst wenn diese teils weniger Funktionalitäten bieten. Die umfangreichste Haupt-Alternative zu Google Analytics, Matomo mit Hauptsitz in Neuseeeland, ist außerdem auch nur mit speziellen Einstellungen DSGVO-konform. Ich stelle hier 2 europäische Alternativen vor: etracker und Statify.

Um nicht zu sehr von Social Media Plattformen oder Messenger Diensten abhängig zu sein, die wie Facebook, Instagram und Whatsapp unter dem Dach von US-Konzern Meta betrieben werden, setzten viele Website-Betreiber:innen auf Newsletter-Marketing. Dabei fallen sie jedoch meist wieder Platzhirschen wie dem US-Anbieter MailChimp in die Hände. Ich stelle die Alternativen CleverReach und Brevo vor.

Aber unsere Video-Konferenzen machen wir doch weiterhin über Zoom, oder? Nicht unbedingt, auch dafür gibt es ähnlich intuitiv zu bedienende Alternativen wie die norwegische Lösung Whereby.

Analytics: Website-Statistiken

Website-Statistiken liefern wichtige Daten zur Anzahl der Website-Besuche, zum Weg auf die Website (über Suchmaschinen, direkt oder über Social Media), zur Dauer des Aufenthalts auf den Unterseiten, zu den am häufigsten aufgerufenen Seiten oder Produkten, zur User Journey durch die Website und vieles mehr. Google Analytics bietet hier einen sehr breiten Funktionsumfang, selbst wenn dieser nicht für alle Websites benötigt wird. Gänzlich auf Statistiken zu verzichten ist aber auch keine Option.

etracker

Wer eine europäische Alternative mit einem ähnlich großen Funktionsumfang sucht, kann sich etracker näher ansehen. Der deutsche Anbieter hat ein Analyse-Tool entwickelt, das ganz ohne Cookies auskommt und daher sicher DSGVO-konform verwendet werden kann. Im Vergleich zu Google Analytics punktet etracker dabei auch mit einem kontinuierlichen Datenabruf: Die Nutzungsdaten werden also bereits für den laufenden Tag zur Verfügung gestellt und nicht wie bei Google erst einige Stunden später oder am nächsten Tag.

Darüber hinaus bietet etracker auch die Möglichkeit zum Tracking der Google Ads und Facebook Ads Performance und ist somit eine vollwertige Google Analytics-Alternative. Allerdings gibt es außer einer Testversion keine kostenfreie Nutzung wie z.B. bei Matomo. Das Basic Paket kostet derzeit 9 EUR/Monat. Ab 19 EUR/Monat (Stand: März 2023) sind eCommerce und Ads Reports enthalten.

Statify

Wer hingegen nach einer einfacheren und dabei kostenfreien Lösung für eine WordPress-Website sucht, wird wahrscheinlich bei Statify landen. Das WordPress-Plugin wird vom deutschen pluginkollektiv betrieben und weiterentwickelt, es stehen also Entwickler:innen aus der WordPress-Community dahinter und kein IT-Unternehmen.

Da Statify keinerlei personenbezogenen Daten wie IP-Adressen sammelt, erfüllt das Analyse-Tool alle Anforderungen der DSGVO. Die Daten werden direkt in der WordPress-Datenbank in einer einfachen Tabelle gespeichert und es findet daher kein Datentransfer statt. Gestaltung und Einstellungsmöglichkeiten sind äußerst reduziert, dafür sind aber alle Website-Besuche wirklich mit einem Blick im WordPress-Dashboard zu sehen und es müssen keine komplizierten Reports aufgerufen werden. Allerdings gibt es keine Funktionen für eCommerce, Ads oder tiefgreifendere Analysen. Ich habe Statify auf einigen WordPress-Websites installiert und bin damit sehr zufrieden.

Newsletter: Email-Marketing

Bei Email-Marketing-Anbietern ist die Frage nach dem Server-Standort besonders relevant. Denn im Zuge der Erstellung von Adresslisten und des Newsletter-Versands werden umfangreiche personenbezogene Daten gesammelt und verarbeitet. Wer hier auf Nummer sicher gehen möchte, wählt als Alternative zu MailChimp eher einen europäischen Anbieter wie  CleverReach oder Brevo.

CleverReach

Der Server-Standort von CleverReach liegt in Deutschland. Es bestehen daher keine Bedenken, dass sensible Nutzer:innendaten auf US-Servern landen könnten. Dennoch sind bei der Kundendatenverwaltung weitere DSGVO-Vorgaben einzuhalten, wie zum Beispiel eine einfache Abmeldemöglichkeit, die mit CleverReach auch einfach umzusetzen ist. Außerdem bietet CleverReach alle Features moderner Newsletter-Marketing-Tools wie einen Drag&Drop Editor, Marketing Automation Workflows zur Automatisierung des Versands und viele Integrationsmöglichkeiten, z.B. in WordPress, WooCommerce oder Shopify.

Allerdings ist CleverReach in der kostenlosen Version nur für den Newsletter-Versand in kleinerem Umfang an bis zu 250 Empfänger geeignet. Dabei steht zwar der gesamte Funktionsumfang des Newsletter-Tools zur Verfügung, bei einer größeren Anzahl von Empfänger:innen und/oder mehr als 1 Newsletter/Monat wird es aber schnell kostenpflichtig. Die Preise erscheinen im Vergleich zu anderen Anbietern eher hoch und die Preisliste ist auf den ersten Blick etwas unübersichtlich.

Brevo

Eine derzeit vergleichsweise günstigere Alternative ist Brevo. Mit derzeit mehr als 100.000 aktiven Installationen in WordPress zählt Brevo zu den am häufigsten verwendeten europäischen Email-Marketing-Lösungen.

Neben dem Server-Standort in Deutschland, der eine DSGVO-konforme Nutzung des Newsletter-Tools ermöglicht, können in der kostenlosen Version können bereits 300 Emails pro Tag, also 9.000 pro Monat, an insgesamt bis zu 2.000 Empfänger:innen versendet werden. Ein ausführlicher Preisvergleich mit MailChimp und CleverReach findet sich in diesem Blog-Artikel von Brevo.

Neben einem Drag&Drop Editor und Marketing Automation Workflows bietet Brevo auch Transaktions-Emails, SMS-Marketing sowie Whatsapp-Kampagnen und ausführliche Analytics/Statistik-Reports an. Mit der Integration in WordPress, die ich in diesem Blog-Artikel über Brevo beschreibe, habe ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Außerdem sind zahlreiche hilfreiche Tutorials verfügbar. Einzig der Email-Support ließ bei Nutzung der kostenlosen Version bei komplexeren Fragen bisher etwas zu wünschen übrig.

Video-Konferenzen

Bei Video-Konferenzen ist die intuitive Nutzung besonders wichtig. Daher verwenden immer noch sehr viele User:innen Zoom, auch wenn es inzwischen doch einige Alternativen gibt. Allerdings bieten diese häufig nicht alle gewohnten Funktionen bzw. ist der Gewohnheitsaspekt stärker als die Neugier auf neue Anbieter. Daher möchte ich Whereby vorstellen, das unter anderem durch einen starken Fokus auf Datenschutz punktet.

Whereby

Whereby ist ein Video-Konferenz-Tool aus Norwegen, das auf den ersten Blick gleich durch das besonders schöne Design der Benutzeroberfläche auffällt. Weiters ist die Nutzung sehr einfach und intuitiv.

Über die Web-Plattform können Meetingräume erstellt werden. Teilnehmer:innen werden wie bei Zoom per einfachem Link in den Meetingraum eingeladen. Dabei sind keine Anmeldedaten oder Passwörter notwendig. Es können aber auch private Meetingräume eingerichtet werden, die individuell konfigurierbare Datenschutzeinstellungen bieten. Zu den Features von Whereby zählen das Teilen des Bildschirms, Breakout Groups und Integrationen mit Plattformen wie Slack oder YouTube. In der kostenfreien Version stehen 2.000 Meeting-Minuten pro Monat zur Verfügung.

Ich verwende Whereby inzwischen lieber als Zoom. Der einzige Nachteil ist, dass es weniger Integrationen in Tools anderer Software-Anbieter gibt, so bietet zum Beispiel das Terminplanungs-Tool Calendly eine Integration mit Zoom, MS Teams und Webex an, aber (noch?) nicht mit Whereby. Falls die europäische Video-Konferenz-Lösung Whereby sich weiter durchsetzt, ist das aber womöglich nur eine Frage der Zeit.

Fazit

Es gibt für sehr viele häufig benutzte Plattformen und IT-Services europäische Alternativen, die aber teilweise noch nicht bekannt genug sind. Daher habe ich in diesem Blog-Artikel fünf naheliegende Lösungen vorgestellt: etracker und Statify für Analytics/Website-Statistiken, CleverReach und Brevo für Newsletter-Marketing sowie Whereby für Video-Konferenzen.

Wer noch weitere europäische Alternativen sucht, kann sich die ausführlichen Informationen auf der Plattform European Alternatives anschauen.

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